Ziegen

Ziegenzucht «Simmihof»



Gäbe es keine Ziegen, die Natur müsste sie erfinden!

Kein anderes Haustier bringt dem Menschen mit so wenig Aufwand so viel Nutzen. Ziegen brauchen weder teures Kraftfutter, noch komfortable Ställe. Sie sind äusserst genügsam und bringen dem Halter trotzdem einen jährlichen Ertrag, der weit über dem Tierwert liegt. Verglichen damit, nimmt sich der aus einer Kuh zu erwirtschaftende Ertrag von etwa einem Viertel des Marktwertes eher bescheiden aus.

von links: Appenzeller-Ziege, Bündner Strahlenziege, Toggenburger-Ziegen


Haustier seit 13'000 Jahren

Zusammen mit dem Schaf gehört die Ziege zu den ältesten Haustieren, die wirtschaftlich genutzt werden. Sie stammen von der Wildziege der Gattung «Capra» ab.

Zu den Urformen zählt die «Bezoar-Ziege», die heute noch in den Bergregionen Klein- und Vorderasiens, von Ägäis bis nach Pakistan, vorkommt. Ebenso die «Schraubenhorn-Ziege», die in den Gebirgen von Afghanistan bis nach Kaschmir und Usbekistan lebt.

Zur selben Gattung gehört auch der Steinbock in den Hochgebirgen Europas und Zentralasiens sowie in den Bergregionen von Äthiopien bis zur Arabischen Halbinsel. Die enge genetische Verwandtschaft der Ziegenarten zeigt sich auch darin, dass sich auf unseren Alpen zuweilen Hausziegen mit Steinböcken paaren und Bastarde zeugen.


Überlebenskünstler

Die Ziege ist genügsam, zugleich aber auch wählerisch. Sie prüft mit Nase und Zunge genau, was sie frisst. Im Gegensatz zu Rind und Schaf, frisst sie nebst Gras auch stark aromatische und salzhaltige Kräuter. Zum Speiseplan gehören zudem an Zellulose reiche Pflanzen der Halbwüsten und felsigen Berglagen. Und vorzugsweise das Laub von Bäumen und Büschen. Diese breite Ernährungspalette ermöglicht der Ziege an Orten zu leben, wo andere Haustiere verhungern müssten.

Trotz dieser Bescheidenheit gilt es zu beachten: eine hohe Milchleistung setzt auch eine ausreichende, qualitativ gute Fütterung voraus.


Dritte Welt:  Ziegen sichern Grundversorgung

Die grosse Anpassungsfähigkeit der Ziege, ihre Genügsamkeit und die gute Futterverwertung machen sie vielerorts in der Dritten Welt zum dominierenden Träger der Grundversorgung. Etwa 95 % der weltweit rund 800 Millionen Hausziegen werden in Entwicklungsländern gehalten. Grosse Ziegenbestände sind nördlich und südlich der Sahara, in den regenarmen Gebieten Vorderasiens und Indiens, in den Gebirgsregionen Chinas, in den Tropengebieten Mittelamerikas und Brasiliens sowie im Andenhochland zu finden.


Die «Kuh des Arbeiters»

Besonders in niederschlagsarmen, kargen Gebieten, ist die «Kuh des kleinen Mannes» oft die einzige Existenzgrundlage. Sie garantiert ein Mindestmass an Fleisch und Milch. Dies nicht zuletzt auch dort, wo aus religiösen Gründen Rinder oder Schweine nicht konsumiert werden dürfen. Von Nutzen sind aber auch die Haut (Leder) und bei einigen Rassen das Haarkleid.

Auch in der Schweiz kam der Ziege in ländlichen Gegenden bis gegen Mitte des letzten Jahrhunderts grosse Bedeutung zu. Genau so, wie heute in armen Ländern, stellte sie bei uns manchenorts die aus wirtschaftlichen Gründen zwingend notwendige Selbstversorgung von Arbeitern und Familien sicher.