Meerschweinchen

Meerschweinchen



Gesellige Sippen-Haustiere aus Südamerika

Das Zuhause der Meerschweinchen sind die südamerikanischen Andengebiete, hauptsächlich die kargen Steppenlandschaften in Peru, Bolivien und Chile. Bereits vor Jahrhunderten wurden sie dort domestiziert. Seit jeher wird in den Ursprungsländern das Fleisch und das Fell der Tiere genutzt. Gehalten wird üblicherweise nicht das bei uns verbreitete kleine Hausmeerschweinchen, sondern die wesentlich grössere Art, die im peruanischen Hochland heute «Cuy» genannt wird. Bekannt ist auch, dass das Volk der Inkas ihre Götter mit Meerschweinchen-Opfern gütig stimmte.

Von ihren Kriegsfeldzügen brachten die spanischen Eroberer die ersten Meerschweinchen von Südamerika nach Europa. Hier hat der drollige Nager verschiedenste Namen erhalten und alle sind irreführend. So kann das «Meer-Schweinchen» überhaupt nicht schwimmen und ist auch nicht mit dem Schwein verwand. Eben so wenig hat das «Cochons d’Inde» (Französisch, ‚indisches Schweinchen’) etwas mit Indien zu tun. Und auch die Spanier liegen mit «Conejillos de Indias» (‚indisches Kaninchen’) gleich doppelt daneben. Gleiches gilt für die englische Bezeichnung «Guinea pig» (‚guyana Schweinchen’). Anzunehmen ist, dass die Bezeichnung ‚Schweinchen’ auf die quiekenden Laute der Nager zurückzuführen ist, die Lautäusserungen von Hausschweinen stark gleichen.

Aus der wissenschaftlichen Bezeichnung «Cavia aperea porcellus» ist der heute im englischen Sprachraum (und inzwischen vermehrt auch hierzulande) geläufige Name «Cavy» abgeleitet.


 Die «Simmi»-Zucht

Auf dem Simmihof züchten wir im Ganzjahres-Freigehege seit Jahren «Strubbeli»-Meerschweinchen und «Glatthaar»-Meerschweinchen in allen Farben. Es sind Kreuzungen aus verschiedenen Typen. Für uns ist wichtig, dass die Tiere robust, gesund und langlebig sind. Auch legen wir Wert auf gute Muttereigenschaften.


Körperbau

Die Länge eines ausgewachsenen Hausmeerschweinchens beträgt zirka 20 Zentimeter. Weibchen erreichen ein Gewicht von 600 bis zu 1200 Gramm, Männchen ein solches von 800 bis gegen 1800 Gramm. Auffallend sind der gedrungene Körper mit den kurzen Beinen und der grosse Kopf. 

Als Nagetier haben Meerschweinchen oben und unten je zwei scharfe Schneidezähne. Diese Zähne sind nachwachsend, nutzen sich beim knabbern jedoch ab.

Bei gesunder, artgerechter Ernährung und tiergerechter Haltung erreichen Meerschweinchen ein Alter zwischen 5 bis 8 Jahren und mehr.


Sippentiere

In der freien Natur leben Meerschweinchen sozial in Gruppen in der Grösse von 5 bis gegen 10 Weibchen und einem Bock. In diesem Verband ordnet eine Hierarchie das Zusammenleben. Die Gruppen wiederum schliessen sich zu Kolonien zusammen. Allein daraus ergib sich, dass Meerschweinchen unter keinen Umständen allein gehalten werden dürfen; je grösser die Gruppe, umso wohler fühlen sie sich.


Fluchttiere

In ihrer Heimat sind Meerschweinchen mehr oder weniger schutzlos Räubern ausgesetzt. Deshalb meiden sie instinktiv offene Gebiete. Bevorzugt halten sie sich in Deckung bietenden Gestrüppen, Erdlöchern oder Felsnischen auf. Gerne nutzen sie von ihnen selber oder von anderen Tieren gegrabenen Bauten, wo sie in Gruppen schlafen und sich gegenseitig wärmen. 

Meerschweinchen sind am Tag aktiv, halten keinen Winterschlaf und vermögen rauem Klima recht gut stand zu halten. Ihr grösster Feind ist die Hitze.


Haltung

Meerschweinchen brauchen erstens einen grossen Käfig und zweitens eine gut strukturierte Einrichtung, wo sie jederzeit Deckung und Unterschlupf finden. Die Ganzjahreshaltung im Freien ist problemlos möglich, sofern ausreichend Schutz vor der Witterung (Nässe, Sonne, Kälte/Durchzug) vorhanden ist. Dazu notwendig sind unter anderem ein wetterfestes, trockenes und geräumiges ‚Wohnhaus’ mit sauberer, isolierender Einstreu und ein eben so trockener, sauberer Fressplatz. Ein solches Gehege muss auch vor Einbruch schützen, den die Gefahren drohen von Aussen (Marder, Fuchs, Greifvögel, Hund, Katzen).

Für 3 - 4 Meerschweinchen ist eine Grundfläche von etwa 4 m2 zu empfehlen. Gewährt man den Tieren daneben zur Abwechslung freien Auslauf auf Rasenflächen oder in einem Wohnzimmer, so nehmen sie dies gerne an.

Absolut unerlässlich ist, dass den Meerschweinchen immer frisches Ast-/Nagematerial zu Verfügung steht, damit sie beim Knabbern ihre stetig nachwachsenden Zähne abnutzen können (Vorsicht Stromkabel!). Die Nager sind ausgesprochen saubere Tiere. Um gute Voraussetzungen zu schaffen, sollte der Käfig deshalb auch gut zu reinigen sein.


Fütterung

Meerschweinchen sind Pflanzenfresser. Und mit dieser Tätigkeit verbringen den grössten Teil des Tages. In der freien Wildbahn ernähren sie sich von Gras, Blättern, Samen, Früchten, Rinden und Blüten. 

Qualitativ gutes, faserreiches Heu sollte während dem ganzen Jahr zur freien Verfügung stehen. Nebst Gras und Löwenzahn (von ungedüngten Wiesen) benötigen sie auch grosse Mengen an Grünfutter wie Salate (ausser Kopfsalat), Gemüse und Früchte. Wegen der Gefahr von Blähungen sollten Kohl oder kohlähnliche Produkte nicht verfüttert werden.

Die Meerschweinchen gehören zu den wenigen Wirbeltieren, die das Vitamin C nicht selber produzieren können und dies über die Nahrung aufnehmen müssen. Deshalb gehören Karotten, die sie über diese sehr gut mögen, zwingend und regelmässig auf den Speiseplan. Zu empfehlen ist auch Körnerfutter, welches mit Vit. C angereichert ist.

Und wie alle anderen Tiere müssen Meerschweinchen Sommer und Winter ständig Zugang zu frischem, sauberem Wasser haben.


Kein Kuscheltier

Meerschweinchen sind ausgesprochen ängstlich und mögen es in der Regel überhaupt nicht herum getragen zu werden. Für die Tiere ist dies reiner Stress. Deshalb sind Meerscheinchen keine Kuscheltiere und für Kleinkinder nicht geeignet. Kommt dazu, dass die Nager sehr fragil gebaut sind. Werden sie fallen gelassen, resultieren oft schlimme Verletzungen, die oft auch zum Tod führen.

Geht man mit Meerschweinchen behutsam, indem man – ohne sie festzuhalten - mit ihnen spricht, lassen sie sich auch gerne streicheln.


Nestflüchter

Zu den Besonderheiten der Meerschweinchen gehört ihre ausserordentliche Fruchtbarkeit. Bereits 4 Wochen nach der Geburt erreichen die Weibchen die Geschlechtsreife, die Männchen nach 5 bis 7 Wochen. Die Weibchen werden im 14-Tagesrythmus brünstig.

Nach einer Tragzeit von 62 bis 70 Tagen bringen Meerschweinchen mehrere Junge zur Welt. Bei einem grossen Wurf ist auch eine kürzere Tragzeit zu beobachten. Die Jungen werden vollkommen entwickelt geboren, mit offenen Augen, mit Zähnen und mit einem voll ausgebildeten Fell. Einzig die Ohren und Füsse sind beim Wurf etwas überdimensioniert. Üblicherweise verläuft die Trächtigkeit unkompliziert, ebenso die Geburt, die meist während den Tageszeiten abläuft.

Von der ersten Stunde an sind die Ankömmlinge flink auf den Beinen, tollen herum und erkunden den Käfig. Die Jungen werden von der Mutter etwa 2 bis 3 Wochen gesäugt. Nur wenige Tage alt, beginnen die Kleinen bereits am Heu und Gemüse zu knabbern.