Lamas

Wissenswertes in Kürze


Bei den Lamas unterscheidet man vier Typen: das Classic-Lama, das Medium-Lama, das Wooly-Lama und das Suri-Lama. Das Lama zählt zur Familie der Kamelartigen, gehört zur Ordnung der Paarhufer und zur Unterordnung der Schwielensohler. Unter der Gattung Neuweltkameliden werden die Wildformen (Guanako und Vikunja) und die Hausformen (Lama und Alpaka) zusammengefasst.

Charakteristische Merkmale aller Lama-Typen sind bananenförmig gebogene Ohren und eine längliche Kopfform. Der Schwanzansatz befindet sich in direkter Verlängerung der Rückenlinie. Die Typen unterscheiden sich hauptsächlich durch die Bewollung. Wissenschaftler gehen davon aus, dass rund 40% des weltweiten Lamabestandes Alpaka/Vikunja-Gene tragen.

Lamas sind aufmerksam und neugierig. Zu den besonderen Eigenschaften gehört der sanftmütige, ruhige Charakter. Auch lassen sich Lamas einfach halfterführig machen und tragen  -  nach entsprechendem Training  -  bei Gepäck. Sie eignen sich sehr gut für das Trekking und für die Therapie. Ein in einer Schafherde eingesetzter Hengst, erweist sich zudem als guter, furchtloser Wächter.

Lamas gelten als landwirtschaftliche Nutztiere, die besonders für die Landschaftspflege eingesetzt werden können. Sie sind muskulös und erreichen ein Körpergewicht von 120 bis 180 kg. Damit eignen sich auch zur Gewinnung von cholesterinarmem, gut schmeckendem Fleisch. Die Lebenserwartung von Lamas liegt bei +/- 20 Jahren.


Classic-Lama (Scarra scullo)

Das Classic-Lama ist grossrahmig gebaut, mit einer Schulterhöhe von 110 bis gegen 130 cm. Dieser Typ ist am ganzen Kopf, am Hals und an den Beinen kurz bewollt. Der langfaserige Behang is,t ähnlich einer Decke, auf den Körper konzentriert. Das Vlies besteht aus einer kurzen, feinen Unterwolle, die mit langen, kräftigen Grannenhaaren durchsetzt ist. Anzutreffen sind Tiere mit mähnenartigen, groben Grannenhaaren an der Brust, ein typisches Merkmal bei der Wildform Guanako


Medium-Lama

Die Bezeichnung ‚Medium’ bezieht sich auf die Bewollung. Zu vermuten ist, dass dieser Typ aus Durchmischungen der beiden Typen Classic und Wooly hervorgegangen ist. Leicht kleiner und etwas feiner gebaut, als das Classic-Lama. Hingegen mit stärkerer Bewollung am Hals und bis zur Mitte der Beinen. Der ganze Kopf und der untere Teil der Beine sind kurz bewollt. Das Vlies besteht im Vergleich zum Classic ebenfalls aus feiner Unterwolle, doch sind die geraden Grannenhaare nicht ganz so grob.


Wooly-Lama (Tapada)

Wie die Typenbezeichnung bereits aussagt, sind Wooly-Lamas stark bewollt und zwar von den Ohren bis zu den Fesseln. Das Wooly ist mit einem Stockmass von 100 bis gegen 120 cm die kleinste Form und im Körperbau zwischen feingliederig bis massiv, variierend nach Ursprungsland. Dies gilt auch für die längliche Kopfform. Die Wooly-Faser ist fein und unterscheidet sich diesbezüglich nicht markant von einer mittleren Alpaka-Faser. Auffallend, dass die Unterwolle fehlt und im Vlies nur feine Grannenhaare vorhanden sind. Im Vergleich zum Medium ist die Stapellänge deutlich höher.


Suri-Lama

Das Suri-Lama ist ein sehr seltener Lama-Typ. Es ist ein eher kleineres bis mittelgrosses Tier, mit den für Lamas typischen Charakteristiken. Auffallend ist die starke Bewollung von Kopf bis Fuss. Gleich wie beim Suri-Alpaka, bündeln sich die Fasern zu Strängen und hängen vielfach wie Zapfenlocken vom Körper herab, ebenso scheitelt sich der Behang auf dem Rücken. Die Faser ist fein, gleichmässig und strähnig, jedoch ohne Kräuselung.



Herkunft

Der Ursprung der Kameliden lag in grauer Vorzeit in Nordamerika, wo sie später von der Landkarte verschwanden. Die in Richtung Nahen Osten gezogenen Kameliden («Camelini») werden als «Altweltkameliden» bezeichnet. Im Verlaufe der Evolution haben sie sich zu den Arten Dromedar, Trampeltier und Kamel entwickelt.

Die Heimat der «Neuweltkamlieden», abstammend von den aus Nordamerika eingewanderten «Lamini» , ist das Andengebiet in Südamerika. Dort begann vor schätzungsweise 6'000 Jahren die Domestikation vom Jagdwild zum Haus- und Nutztier. Das Lama wurde aus der Wildform «Guanako» gezüchtet, mit dem Augenmerk auf Grösse und kräftigen Körperbau. Dies waren Voraussetzungen, um das Lama als Tragtier, aber auch als Fleischlieferant, nutzen zu können. Das Hauptverbreitungsgebiet liegt in Argentinien, Chile, Peru und Bolivien.



Haltung

Das Lama ist ein ausgesprochenes Herdetier. Am wohlsten fühlt es sich, wie alle Neuweltkameliden, in einer grossen Gruppe. Eine Einzelhaltung ist nicht erlaubt. Zu empfehlen ist die Haltung von einer Gruppe mit mindestens 3 Lamas. Wird ein unkastrierter Hengst gehalten, so sollten der Gruppe mindestens 3 Stuten angehören.

Das Lama lebt gerne in einem Offenstall, wo es Sommer und Winter täglich auf die Weide kann. Ein einfacher, durchzugsfreier Unterstand zum Schutz vor Wind, Regen und starker Sonneneinstrahlung genügt. Ein dem Stall/Unterstand vorgelagerter Hartplatz ist besonders bei Schlechtwetterperioden von Vorteil.

Lamas bewegen sich auch in steilem Gelände sicher. Dank ihren mit Leder gepolsterten Sohlen verursachen sie, trotz ihres Gewichts, kaum nennenswerte Trittschäden.

Die Einzäunung der Weiden mit festen Drahtgitterzäunen, mit einer Höhe von 140 cm, gegen Strassen ist  -  aus Sicherheitsgründen  -  sehr zu empfehlen. Ansonsten hat sich auch 3- oder 5-zeiliger Elektrodraht in allen Geländelagen gut bewährt. Sehr grosse Vorsicht ist mit elektrischen Schaf-Kunststoffgeflechten geboten, kommt es doch immer wieder vor, dass sich Lamas aus irgendwelchen Gründen in den Maschen verheddern und umkommen.



Fütterung

Das Lama ist nicht anspruchsvoll. Grundfutter während der Vegetationszeit ist Gras. Wichtig ist, dass das Gras gut gereift ist (genügend Rohfaser, weniger Eiweiss). Zu empfehlen ist, den Tieren  auch während der Vegetationszeit als Ergänzung immer etwas rohfaserreiches Heu zur Verfügung zu stellen.

Das Lama vergnügt sich gerne an Sträuchern, Büschen, Jungbäumen und an Nadelgehölz. Sie können damit gute Dienste bei der Zurückdrängung von Verbuschungen leisten. Allerdings ist Vorsicht vor giftigen Gewächsen geboten, besonders ist vor Eiben zu warnen.

Im Winter besteht die Fütterung aus rohfaserreichem Heu, jedoch bester Qualität. Als Ergänzung werden kleine Gaben von Getreidemischungen gerne angenommen.

Hochtragenden und laktierenden Stuten kann nach Bedarf zusätzlich eine Getreidemischung angeboten werden. Im Winter lohnt es sich, den Fohlen, nebst feinhalmigem Heu, auch Flocken zu geben. Der Fachhandel bietet kamelidengerechte Mischungen an. Gerne gefressen wird auch Obst, das ebenfalls nur in kleinen Mengen als Ergänzung zugefüttert werden sollte.

Jederzeit muss kamelidengerechter Mineralstoff verfügbar sein, am besten in loser Form. Sehr wichtig ist, dass den Lamas stets und in jeder Jahreszeit frisches Trinkwasser zur Verfügung steht.

Wichtig:
Rohfaserhaltige Fütterung = gesunde Lamas (und gute Faser-Qualität)
Eiweissreiche Fütterung = kranke Lamas (und schlechte Faser-Qualität)



Pflege

Lamas mit feiner Faser und dichtem Vlies, was hauptsächlich auf die Wooloy-Lamas zutrifft, sollten jährlich geschoren werden.

Bei leicht bewollten Lamas kann die Schur im Rhythmus von zwei Jahren erfolgen. An Stelle einer jährlich Vollschur bietet sich an, bei jeder zweiten Schur nur die Hauptdecke zu scheren.

Die Schur ist eine zwingend notwendige Pflegemassnahme. Geschorene Lamas ertragen die Sommertemperaturen wesentlich besser. Zudem lässt sich einer Verfilzung des Vlies entgegen wirken, was gleichzeitig ein gewisser Schutz vor Parasitenbefall bietet. Und sollten sich Hautparasiten einnisten, so lassen sich diese bei geschorenen Tieren wesentlich einfacher bekämpfen.

Regelmässig zu kontrollieren sind die Nägel. Sind diese schön gerade gewachsen, so nutzen sie sich meist selber ab. Gekrümmte oder überlange Nägel müssen nach Bedarf geschnitten werden.

Im Gegensatz zu den Alpakas, wachsen bei den Lamas die zweiten Zähne nicht nach. Deshalb drängen sich im Normalfall auch keine pflegerischen Massnahmen auf. Bei Hengsten sind im Alter von gegen 3 Jahren die messerscharfen Kampfzähne unbedingt zu kürzen, um kein Risiko von Verletzungen einzugehen.



Parasiten

Lamas werden von den gleichen Aussen- und Innen-Parasiten befallen wie Schafe oder Ziegen. Es ist unverzichtbar, die Lamas regelmässig zu entwurmen. Sehr zu empfehlen ist, dass das Vorgehen und die zu verabreichenden Mittel mit dem Tierarzt abgesprochen werden. Wird bei einzelnen Tieren der Kot breiig, so kann dies ein Hinweis sein, dass ausserhalb der Behandlungszyklen ein einzelnes Tier zusätzlich behandelt werden muss. Dies gilt auch für den Fall, dass ein Tier scheinbar unbegründet abmagert oder sich apathisch verhält.

Sehr zu empfehlen ist eine jährliche Impfung gegen Chlostridien. Auch eine jährliche Behandlung gegen Leberegel ist angezeigt.

Wichtig:
Unbemerkter Parasitenbefall ist in vielen Fällen die Ursache für den Tod von Tieren.






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